Samstag, 24. November 2012

Den Dialog mit unserer Natur beginnen




Schöpfungsspiritualität, so wie wir sie betreiben, bedeutet, im Dialog mit unserer Natur zu sein.
Der Begriff Natur deutet auf zweierlei. Zum einen auf das, was wir landläufig als Natur verstehen, nämlich die Natur um uns herum. Die Wälder und Felder, die Berge, das Meer, alles grüne Leben und die Tiere. Zum anderen ist unsere menschliche Natur gemeint. Die Natur unserer Bedürfnisse, Verhaltensmuster und Emotionen.
Mit Beidem kann ich in Dialog treten. Das bedeutet zu hören, achtsam zu sein, Botschaften zu vernehmen und (Er)Kenntisse zu erlangen. Und es bedeutet zu sprechen, sich auszudrücken und Botschaften zu transportieren.
Martin Buber, der große jüdische Religionsphilosoph, spricht in seinem dialogischen Prinzip davon, dass wir zu unserem Gegenüber entweder in eine ICH-DU oder in eine ICH-ES (Er, SIE, ES) Beziehung eintreten können. Wenn ich über etwas (ES) rede, dann ist dies ein Reden über. Nicht zu einem Gegenüber, sondern über ein Objekt. Im Gegensatz dazu achtet as Reden zu einem DU das Gegenüber als Subjekt. Hier geschieht Begegnung und alles wirkliche Leben sei Begegnung, sagt Buber.
Der Dialog mit unserer Natur beginnt also, indem wir beispielsweise sagen: „Du Erde“, „Du Baum“, „Du Käfer“, „Du Sturm“. Wir finden Spuren solcher Dialoge in allen Weisheitstraditionen und auch in der jüdisch-christlichen Tradition.
Ebenso ist ein Dialog mit unserer inneren menschlichen Natur möglich. Dieser intrapersonale Austausch beginnt, indem ich Gefühle, Gedanken, Verhaltensmuster anspreche: „Du Angst“, „Du Wut“, „Du Neid“.
Jeder Dialog beginnt mit der Ansprache. Denn das beinhaltet das Erkennen des Gegenübers. Dies ist der erste, wichtigste und für uns vielleicht schwierigste Schritt. Mit den dann folgenden Arten und Weisen des Hörens und Redens wird später es weiter gehen.