Freitag, 30. November 2012

Kosmischer Christus


„Denn in ihm (Christus) wurde alles erschaffen im Himmel und auf Erden, das Sichtbare und das Unsichtbare,...alles ist durch ihn und auf ihn hin geschaffen.“ Kolosser 1, 16. Hier in den Heiligen Schriften wird darauf hingewiesen, dass Christus mehr ist als die historische Person namens Jesus.

Ein theologischer Irrtum ist es, einen Teil der Wahrheit für die ganze Wahrheit zu halten und dies dann ausschließend  zu verstehen. So einen Kurzschluss begeht, wer Christus ausschließlich personal versteht. Viele, meiste evangelikale Christen, haben einen ausschließlich persönlichen Jesus vor Augen. Meist auch ein personales Bild von Gott als Vater. Wenn sie von Christus nach der Auferstehung denken, dann haben sie meist ihre personale Vorstellung vom irdischen Jesus einfach in den Himmel umziehen lassen. Im Kern bleiben sie gefangen in einer anthropozentrischen Theologie.

Der Begriff des kosmischen Christus dagegen ist ein Paradigmenwechsel zur herrschenden Christologie. In der Arbeit des Schöpfungstheologen Matthew Fox ist der kosmische Christus ein zentrales Element (s.a.: Fox: Vision vom kosmischen Christus, Stuttgart 1991). Der kosmische Christus ist ein panentheistischer Ansatz. Gott ist sowohl getrennt von seiner Schöpfung zu verstehen (Theismus) als auch vollkommen darin eingebunden. Im Gegensatz sowohl zum personalen Jesus als auch zum Pantheismus, der Gott nur im Geschaffenen sieht („Der Berg, der Baum ist Gott“).
Aber wir können sagen, Gott ist in dem Geschaffenen gegenwärtig.
„Am Anfang war das Wort (Logos),... und das Wort ist Fleisch geworden...“ heißt es am Anfang des Johannesevangeliums. Anders ausgedrückt: Christus-Logos wurde Materie. Dies meint das Wort Inkarnation (ins Fleisch kommen).

Wenn also der Christus-Logos, das Christus-Prinzip von Anfang der Schöpfung an im Materiellen gegenwärtig war, dann kann Gott auch überall in der Schöpfung erkannt werden. Menschen können Christus (das Wort, den Logos) erkennen, auch wenn sie den Namen Jesus (die Vokabel) nie gehört haben!

Der personale, historische Jesus ist ein Prototyp, eine Ikone, ein lebendiges Beispiel und für mich die beste Verkörperung (wörtlich gemeint), was Gott im Sinn hat, wenn er oder sie Christus sagt. Aber Christus ist mehr als der personale Jesus und das kommt im Begriff kosmischer Christus zum Ausdruck.

Ich finde, hier bauen sich Brücken zu den Begriffen anderer Religionen und Weisheitstraditionen, zur Buddha-Natur, um nur ein Bespiel zu nennen. Im kosmischen Christus kann Begegnung stattfinden.