Sonntag, 25. November 2012

Visionssuche / Vision Quest



„Geh hinaus in die Wildnis, suche dir einen Platz, bleib dort drei* Tage und drei Nächte, faste und sei achtsam.“
So lautet die Anweisung für denjenigen, der sich auf Visionssuche / Vision Quest begibt. Dieses Ritual findet sich in verschiedenen Variationen überall auf der Welt, in den unterschiedlichsten Kulturen und Zeiten. Noch heute wird es vor allem in indigenen Völkern praktiziert. Von dort ist es quasi wieder entdeckt und für die westliche Welt leicht angepasst worden. Vor allem die School of lost Borders hat sich hier verdient gemacht. Aber auch in christlichen Kreisen wird die Visionssuche zunehmend angeboten (u.a. bei mir im Männerforum der Nordkirche: http://maennerforum.nordkirche.de/de/spiritualitaet-visionssuche.htm Spannend ist die Entdeckung, dass die Menschen der Bibel diesen Rückzug in die Einsamkeit und in die Wildnis schon immer praktiziert haben. Sogar von Jesus heißt es, „er ging in die Wüste und war bei den wilden Tieren“.

Bei uns geht die Visionssuche so vonstatten. Männer (und Frauen) spüren, dass es an der Zeit ist, diesen Schritt in die Wildnis und in den Dialog  mit unserer Natur zu gehen. Das Angebot der Visionssuche findet sie und sie melden sich an. Es gibt ein erstes Treffen ungefähr ein halbes Jahr vor der Quest. Dann gibt es Aufgaben und Begleitung für jeden Einzelnen, die ihn auf die Auszeit in der Natur vorbereiten. Während der eigentlichen Quest sind wir 10 Tage vor Ort. Bis jetzt überwiegend in Schweden, aber es gibt auch Visionssuchen im Gebirge oder in der Wüste. Die ersten Tage vor Ort dienen dem Einstimmen in die Landschaft und dazu, den eigenen Platz zu finden. Dann beginnt die Schwellenzeit. Die Männer werden ausgesandt und verbringen drei Tage und Nächte allein in der Wildnis. Wenn sie wiederkommen dient die verbleibende Zeit den Geschichten und der Vorbereitung auf die Rückkehr in den Alltag.
Für wen ist die Visionssuche geeignet? Für Menschen an Lebensübergängen, z.B. zur Berufswahl in der Jugendvisionssuche, zum Beginn des zweiten Lebensabschnittes, vor dem Rentenalter, nach Krisen und in Phasen der Neuorientierung.

*in vielen Traditionen geht die Visionssuche über vier Tage und Nächte. Vier ist die Zahl der Erdverbundenheit (vier Himmelsrichtungen, Jahreszeiten, Elemente,...). In der jüdisch-christlichen Tradition ist die Zahl drei bedeutsamer (Jona war drei Tage im Bauch des Fisches, Jesus drei Tage im Grab,...) und wird aus diesem Grund in der Visionsssuche verwendet.