Montag, 10. Dezember 2012

Auf den Pfaden des grünen Mannes


Der Archetyp des grünen Mannes ist dabei, wieder entdeckt zu werden. Ich will an dieser Stelle gar nicht so viel darüber schreiben, wie er in der Vergangenheit missverstanden oder verteufelt (im wahrsten Sinne des Wortes) wurde und in Vergessenheit geriet. Ich will ihn  auch nicht erklären oder definieren. Nur eine kurze Beschreibung für die, die noch nie von ihm gehört haben. Und dann will ich erzählen, wie ich ihn nach und nach entdecke. Denn Schöpfungsspiritualität bedeutet für mich auch, neue Wege praktisch zu probieren.

Der grüne Mann ist der Archetyp, der mit der Erde, den Pflanzen und Tieren verbunden ist. In unserem Kulturkreis wird er oft als im Wald lebend dargestellt. Manchmal wirkt er, als ob er selbst schon pflanzliche Züge hat. Er hat hegende, fürsorgende Eigenschaften, fast wie ein Hirte. Er ist uralt und war immer schon da. Im Herrn der Ringe wären das vielleicht die Ents oder auch Tom Bombadil. Auch der Eisenhans hat etwas vom grünen Mann, wie ich finde. Im AT scheint bei manchen Propheten der grüne Mann durch, im NT bei Johannes dem Täufer. Die Grenzen zum wilden Mann sind fließend. Er schützt die Schöpfung und ermöglicht uns eine Verbindung mit dieser, wenn wir sie achten und nicht zerstören.

Die Begegnung mit dem grünen Mann kann also sehr fruchtbar und bereichernd sein. Wie können wir mit dieser archaischen Kraft wieder in Kontakt kommen? Ich habe ein paar Erfahrungen gemacht, die ich gern teilen würde.
Als ich vor einiger Zeit im Harz war, hatte ich Pfeil und Bogen mit. Am späten Nachmittag hatte ich mir eine Stelle zum Schießen gesucht und als ich fertig war, einen „Krieger-Kreis“ aus Pfeilen gebaut und darin gebetet. Es dämmerte schon, da kam mein Sohn mit seinem Bogen um die Schulter den Berg hinauf und suchte mich. Das war schon ein toller Anblick, wie er da wie ein kleiner Waldläufer aus dem Nebel auftauchte. Dann haben wir zusammen ein paar Pfeile geschossen. Als wir dann die Pfeile gesucht haben und nebeneinander mit unseren Bögen durch den Wald schlichen, das war ein unbeschreibliches Gefühl. Es hätte im Prinzip auch ein paar tausend Jahre früher ein können. Wir haben das gemacht, was Väter und Söhne schon immer gemacht haben.
Das Tun war das Entscheidende. Nicht drüber nachdenken oder Meditieren. Sondern mit Pfeil und Bogen durch den Wald zu schleichen. Das löste dieses tiefe Gefühl der Verbundenheit mit einer archaischen Kraft aus.

Noch tiefere Berührung mit dieser Kraft habe ich bei  meiner Ausbildung zum Visionssuchenleiter gemacht. Ich bin so oft auf allen vieren Tierpfade entlang gekrochen, habe Witterung aufgenommen, gelauscht, verhalten, gekauert, gerannt,...., dass ich mir schon wie ein Tier vorkam.
Höhepunkt war, dass wir in der Ausbildung einen Abschnitt hatten über den grünen Mann. Mit der Aufgabe, uns als grüne Männer zu inszenieren. Glaube mir, das macht etwas mit dir, wenn du als grüner Mann durch den Wald gehst. Wenn du barfuß durch den Wald gehst, nackt im Wald bist, Erde an Händen und im Gesicht hast. Probier es aus! Ich werde das auf jeden Fall wieder tun, vielleicht auch mit meinen Sohn und seinen Freunden oder anderen Männern. (Kleiner praktischer Tipp: mit Vaseline kannst du Blätter oder ähnliches an dir „festkleben“).
Wir haben die Videokamera dabei gehabt und einen kleinen Film draus gemacht. Wir hatten eine Menge Spaß. Vielleicht inspiriert dich der Film zum Nachahmen. Du findest ihn hier:




(oder mit diesem Link aus YouTube gehen: http://youtu.be/hDApLIH5IfQ )

P.S.: nochmals vielen Dank an die VIATORES, die uns mit ihrer Musik und dem Video zu unseren Aktionen inspiriert haben und für deren Erlaubnis, ihre großartige Trommelmusik zu nutzen.