Dienstag, 22. Januar 2013

Bist du ver-rückt?


Ja, ein wenig. Hoffe ich. Kommt drauf an, von wo nach wo ich verrückt bin.
Mein katholischer Kollege und Visionssuchenleiter hat mir seine Erfahrung geteilt. Wenn die Leute „Exerzitien auf der Straße“ machen, dann kommt in der Großstadt ganz schnell der Eindruck „Ich gehöre nicht dazu.“ Wer keine Geschäfte zu erledigen hat, kein Ziel, keinen Auftrag, der merkt schnell, dass die Stadt fremd ist, dass er nicht dazu gehört.
Dagegen ist die Erfahrung im Wald, auf Visionssuche: „Ich gehöre dazu. Ich bin aufgenommen in die Mehr-als-menschliche-Gemeinschaft.“
Das ist auch meine persönliche Erfahrung. Ich bin verrückt.  Mindestens ist mein Dazugehörigkeitsgefühl aus der Stadt ver-rückt in die Natur. Mein Fokus, meine Aufmerksamkeit, meine Heimat ist verrückt. Verrückte Dinge habe ich dort in der Wildnis an meinem Platz gelernt. Die große Lehrmeisterin Natur und Mutter Erde haben mich verrückt. Mein Platz selbst hat mich verrückt (beachte: nicht entrückt). Und meine Verrücktheit ist nicht da draußen geblieben. Ich habe sie mitgenommen und jetzt bin ich....
·       so verrückt, Maulwurf, Amsel und alle anderen in den Garten einzuladen und ihn mit ihnen zu teilen,
·       so verrückt, fast fremde Menschen in mein Haus einzuladen und Brot und Wein mit ihnen zu teilen,
·       so verrückt, mehr Interesse am „Vom-Herzen-reden“ zu haben als an small talk oder „ich-bin-so wichtig-und-erfolgreich-Talk“,
·       so verrückt, lieber teilen als besitzen zu wollen,
·       verrückt nach viel mehr davon.

Mein altes Credo lautet: Ich will meinen Glauben leben im Alltag von Beruf und Familie. Heute füge ich dazu: ich will das so ver-rückt wie möglich tun!