Donnerstag, 3. Januar 2013

Gaia, voll der Gnade


„Einst hast du Gott, dein Land begnadet.“ (Ps.85,1)
Über diesen Vers bin ich vor ein paar Monaten beim Pilgern „gestolpert“. Gestolpert, denn da steht ja gar nicht ‚begnadigt’, wie ich erst vermutet hatte, sondern ‚begnadet’.
Ich war mir von Anfang an sicher, dass dieser Begriff sehr bedeutsam ist, dass da theologisch viel drin steckt. Auch in dem, was im restlichen Psalm selbst noch an Beziehungen von Himmel und Erde genannt wird. Die Beziehung von Treue (Beständigkeit) und Gerechtigkeit. Der Wechsel von „dein Land“ zu „unser Land“. Der Aspekt der Nutzenorientierung („gibt seinen Ertrag“) und spiritueller Dimension („Ich will hören, was Gott redet“). Ich bin mir sicher, da steckt eine ganze Menge drin.
Es ist mir bis jetzt nicht gelungen, die Ideen, die ich habe, in gute Gedanken zu bringen. Geschweige denn, sie blogfähig zu machen. So schiebe ich diesen Blogeintrag seit Herbst vor mir her. Aber Weihnachten ist mir ein neuer Aspekt eingefallen und den will ich hier schreiben.

Weihnachten wird die Geburt des Immanuel erinnert und gefeiert. Immanuel, „das heißt übersetzt: Gott  ist mit uns.“ (Mt.1, 23). Für mich dies vor allem anderen das Einzigartige an der christlichen Religion: dass es Gott ist, der den Abstand zwischen ihm/ihr und uns überbrückt. Dass er/sie mit uns ist. Dass er/sie in der Welt ist. Das wird Weihnachten ja vor allem gefeiert: Gott, Geist wird Fleisch und Blut, nimmt Gestalt an, ist in der Materie „erkennbar“. Der theologische Ausdruck dafür ist Inkarnation und dieses inkarnatorische Geschehen ist Ausdruck der Gnade Gottes.

Meiner Meinung nach kommt dies Gnadenhandeln bereits in dem Vers in Psalm 85 zum Ausdruck. „Einst hast du Gott, dein Land begnadet“. Ist hier nicht greifbar, wie Gottes Gnade in das Land, die Erde einfließt, einträufelt, wie auch immer hinein kommt? Es müsste ein neuer theologischer Ausdruck dafür geschaffen werden: geerdete Gnade. Dies wäre sozusagen das Weihnachten, der Geburtsmoment einer neuen Schöpfungsspiritualität. Die dem Land, der Erde eine eigene spirituelle Dimension zugesteht. Für mich heißt das Folgendes: wie ich im „Christushandeln“ Gottes etwas von ihm/ihr erkennen kann so kann ich auch im „Erdhandeln“ Gottes etwas von ihm/ihr erkennen. Oder im weiteren Sinne im Schöpfungshandeln Gottes.

Gaia ist das griechische Wort für Erde und in diesem Sinne müssten wir sagen können: Gaia, voll der Gnade! Euch allen ist die Schöpfung geboren. Allen ein gutes und gesegnetes neues Jahr.