Mittwoch, 23. Januar 2013

Ich und Du


„Alles wirkliche Leben ist Begegnung“, sagt Martin Buber, der große jüdische Religionsphilosoph. Er beschreibt in seinem Buch „Ich und Du“, wie wir über jemanden oder etwas in einer Er-Sie-Es-Beziehung erzählen können. Und damit über den- oder dasjenige reden, sie oder es zu einem Objekt machen. Dagegen steht die Rede zwischen einem Ich und einem Du, von Subjekt zu Subjekt. Dies ist Begegnung, ist Leben, ist Beziehung. Nun kann diese Rede, diese Begegnung nach Buber nicht nur zwischen  Menschen stattfinden, sondern zwischen allen Geschöpfen. Und mit diesem Gedanken leistet er einen wichtigen Beitrag zur Schöpfungsspiritualität, wie ich sie verstehe. Deshalb will ich im Folgenden einfach nur ein paar Passagen aus Bubers „Ich und Du“ zusammenstellen.
„Drei sind die Sphären, in denen sich die Welt der Beziehung errichtet.
Die erste: das Leben mit der Natur. Da ist die Beziehung im Dunkel schwingend und untersprachlich. Die Kreaturen regen sich uns gegenüber, aber sie vermögen nicht zu uns zu kommen. Und unser Du-Sagen zu ihnen haftet an der Schwelle der Sprache.
Die zweite: das Leben mit den Menschen. Da ist die Beziehung offenbar und sprachgestaltig. Wir können das Du geben und empfangen.
Die dritte: das Leben mit den geistigen Wesenheiten. Da ist die Beziehung in Wolke gehüllt, aber sich offenbarend, sprachlos, aber sprachzeugend......
Im Geheimnis verbleibe die Wirkensbedeutung...von Kreatur und ihrer Anschauung. Glaub an die schlichte Magie des Lebens, an den Dienst im All, und es wird dir aufgehen, was jenes Harren, Ausschaun, “Kopfvorstrecken“ der Kreatur meint. Jedes Wort würde fälschen, aber sieh, die Wesen leben um dich her und auf welches du zugehst, du kommst immer zum Wesen......
Diese Verbundenheit ist so welthaft, dass es wie das unvollkommene Ablesen einer urzeitlichen Inschrift anmutet, wenn es in der jüdischen Mythologie heißt, im Mutterleib wisse der Mensch das All, in der Geburt vergesse er es......Jedes werdende Menschenkind ruht, wie alles werdende Wesen, im Schoß der großen Mutter: der ungeschiedenen vorgestaltigen Urwelt.....Im Anfang ist die Beziehung.“