Sonntag, 5. Mai 2013

Der große Wandel

„Die Reise ins lebendige Leben“ lautet der Titel des Buches von Johanna Macy, das für mich richtungsweisend ist. Johanna Macy ist eine der führenden Stimmen der Tiefenökologie. Und in diesem Buch beschreibt sie den grundlegenden Ansatz dieser Arbeit. Sie sagt, sie stelle sich vor, in ein paar hundert Jahren würden die Menschen auf unsere Zeit zurück schauen und sie die Zeit des großen Wandels nennen. So wie wir auf auf die Zeit der Völkerwanderung, der Reformation, der industriellen Revolution und so weiter zurückschauen. Unsere Zeit sei die Zeit des großen Wandels, weil entweder gelingt es der Menschheit, sich zu ändern oder es würde in ein paar hundert Jahren keine Menschen mehr geben.


Sie sagt, dieser große Wandel geschehe auf drei Ebenen.
I.                „Rettungsaktionen“ zum Schutz des Lebens auf der Erde
II.               Die Analyse struktureller Ursachen und die Schaffung alternativer Strukturen
III.              Eine veränderte Wahrnehmung der Realität – kognitiv und spirituell
Die Aktivitäten innerhalb dieser Ebenen können kleinere oder größere Dimensionen haben. Von der Earth Charta bis zum Haushaltsplan, von Mahnwachen bis zum Komposthaufen, von politischer Arbeit bis zur Visionssuche. Niemand kann auf allen Ebenen in allen Dimensionen wirken. Aber alles dient dem großen Wandel.

Für mich persönlich ist dieser Ansatz absolut einschneidend. Erstens, weil ich all die Mosaiksteinchen meiner Aktivitäten, Interessen und Überlegungen nun in ein Gesamtbild einordnen kann. Ob Visionssuche, der Versuch, gemeinschaftlich zu leben, meine Vaterverantwortung, meine Arbeit an Schöpfungsspiritualität in der Kirche, nachhaltiges Wirtschaften und Gemeinwesenökonomie, Geschlechtergerechtigkeit, dieser Blog,.... als das bekommt einen Rahmen und einen Zusammenhang. Alles dient dem großen Wandel.

Und das ist der zweite Punkt. Mir ist nun meine „Missio“ deutlich, das, wofür ich mein Leben und meine Arbeit einsetzen will. Lange hatte ich mein „Credo“ klar, das woran ich glaube. Aber ich habe gesucht und überlegt, was meine „Mission“ sein könnte, meine Aufgabe in dieser Welt. Heute kann ich sagen, ich will an dem großen Wandel mitarbeiten.

Jesus Christus spricht in den Evangelien davon, dass wir gerufen sind, am Reich Gottes teilzuhaben und mitzuwirken. Reich Gottes ist kein schöner Begriff mehr, aber inhaltlich bedeutet Reich Gottes in dieser Welt für mich ein Leben in Gerechtigkeit, Frieden und liebevollem Miteinander von allen Menschen, mit allen geschaffenen Wesen und mit Gott (wie ich ihn/sie heute verstehe). So ist die Arbeit am großen Wandel für mich der Weg dahin. Der notwendige Weg. Also der Weg, der die gegenwärtige Not wenden und zum Aufbau des Reiches Gottes in der uns gegebenen Zeit werden kann. Daran will ich mitarbeiten.