Donnerstag, 28. November 2013

All meine Verwandten

Vergangenes Wochenende habe ich an einer Schwitzhüttenzeremonie teilgenommen.
Die Schwitzhütte kommt in verschiedenen Kulturen überall auf der Erde vor. Die finnische Sauna, wie wir sie kennen, dürfte ähnliche Vorläufer gehabt haben. Während es in der Sauna heutzutage eher um den körperlichen Effekt geht, spielt in der Schwitzhütte das spirituelle Element eine zentrale Rolle.
Die Hütte selbst ist ein niedriger kuppelförmiger Bau aus biegsamen Ästen von Haselnuss oder Weide. Dieses Gerüst wird mit Decken und Planen so zugedeckt, dass es innen absolut dunkel ist. In einem großen Feuer vor der Hütte werden Steine heiß gemacht. Die glühenden Steine werden dann vom Feuermann in die dunkle Hütte getragen und vom Wassergießer mit Wasser übergossen. In der Hütte werden vier Runden verbracht, so dass es recht intensive zwei Stunden dort drinnen sind.
Durch den Kuppelbau und die Nacktheit entstehen Assoziationen zur Geburtshöhle. Die Dunkelheit und das intensive Körpererleben verstärken dies. Der Eingang ist so niedrig, dass die Hütte nur auf allen vieren kriechend betreten werden kann.
In der Tradition, in der die Zeremonie am Wochenende durchgeführt wurde, wurde die Hütte als eigenes kleines Universum bezeichnet. Alles andere wird vor der Hütte gelassen: Kleidung sowieso, aber auch sämtlicher Schmuck und alle Verbindungen zum Universum. Beim Betreten und Verlassen der Hütte wird der Satz gemurmelt „Alle meine Verwandten“. Bei Betreten als Zeichen, dass ich alles zurück lasse. Beim Verlassen der Hütte und Betreten dieser Welt als Zeichen, dass ich zurück kehre.
Beindruckt hat mich bei dieser Schwitzhütte wieder einmal zu erleben, meine Gedanken, Danksagungen und Gebete in diese absolute Dunkelheit zu sprechen. Wissen, dass die anderen da sind und mich hören. Aber dennoch so weit weg sind, weil ich buchstäblich keinen Schimmer von ihnen habe.
Und besonders beindruckt, weil es für mich neu war, hat mich dieser Satz „All meine Verwandten“. Ich hatte die Geschöpfe dieser Welt schon vorher als Mitgeschöpfe gesehen. Teilweise sogar als Nachbarn. Aber die Erkenntnis, dass es auf eine Art Verwandte sind, hat mich umgehauen. Aber sofort war mir klar, wenn wir von demselben Vater geschaffen sind, sind wir Verwandte.
Und als ich aus der Hütte raus kroch, war das nicht nur ein intellektueller Gedanke, sondern ein tiefes Wahrnehmen: all die, die da sind, sind meine Verwandten.


Seid gegrüßt, all meine Verwandten!