Montag, 23. Dezember 2013

Geweihte Nacht: Gott wird Materie

Am Anfang des Johannisevangeliums wird beschrieben, was Weihnachten passiert ist. „Das Wort wurde Fleisch.“ Hinter diesem Satz, dessen Bedeutung heute kaum jemand noch versteht, steht für mich eins der bedeutsamsten Prinzipien des christlichen Glaubens. Die Verbindung Gottes mit der Schöpfung.
In der Genesis heißt es „Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde...“, also Materie (Gen. 1.1). Johannes greift dieses Schöpfungsgeschehen auf und schreibt: „Am Anfang war das Wort...“ Im Griechischen steht für Wort „logos“. Das Wort Logos steckt noch in Bio-logie, Zoo-logie, Theo-logie, usw. und auch im Wort Logik. Es meint also nicht nur Wort im Sinne von Vokabel, sondern ist viel umfassender. Im Sinne von „Ursprungsprinzip, umfassende Lehre, dem Ganzen.“ Das Wort Logos steht für das Göttliche und es heißt bei Johannes auch „Gott war der Logos“.
Im  Laufe der Geschichte und auch heute noch empfinden viele Menschen aber, dass Gott irgendwie getrennt von einem selber ist. Als ob da eine tiefe Kluft sei zwischen mir und Gott. Daraus ist dann die Art Religion entstanden, die meint, der Mensch muss etwas tun, um diese Kluft zu überwinden. Etwas Gutes oder Heiliges tun, Moralisch sein, gutes Karma anhäufen, Opfer bringen, Buße tun,....
Jetzt kommt Johannes und sagt: das Wort (Logos) ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt“ (Joh. 1, 14). Meint, Gott ist Fleisch und Blut geworden, ist ins Materielle, ist in die Schöpfung gekommen. Das griechische Wort für Fleisch ist „karnis“ und daher kommt das Wort inkarniert, also wörtlich „fleischgeworden“. Das Christentum ist also eine inkarnierte, fleischgewordene Religion. Die Aussage dahinter ist, Gott ist nicht weit weg, nicht (nur) fern im Himmel. Gott ist nahe. Mein Lehrer Richard Rohr sagt, Gott habe sich in der Welt versteckt. Paulus sagt später, Christus sei IN allem. Damit markiert Weihnachten eine Zeitenwende, denn spätestens ab hier ist klar, dass Gott (Logos, Christus) eng mit der Schöpfung (Fleisch, Materie) verwoben ist.

Bedenkt man dann noch die weitere Symbolik, in einer Krippe am Rande der Gesellschaft geboren und nur die „mehr-als-menschliche-Gemeinschaft“ (Esel, Schafe, Ziegen,...) als Zeugen dieser Geburt, dann wird deutlich, welche Hammerbotschaft in diesen geweihten Nächsten steht. In diesem Sinne wünsche ich „fröhliche Weihnachten“!!!