Montag, 3. März 2014

Das Seufzen der Schöpfung

Das Seufzen der Schöpfung –ökofeministische Beiträge aus Lateinamerika ist ein Buch, das ich von meiner Kollegin aus dem Frauenwerk kürzlich erhalten habe. Interessiert hat es mich, weil ich bei Ken Wilber gelesen hatte, dass er den Ökofeminismus für eine der unverzichtbaren Bewegungen unserer Zeit hält.
Die einzelnen Beiträge in dem Buch zeigen auf vielfältige Weise, dass sowohl Frauen als auch die Erde, bzw. die gesamte Schöpfung Opfer der technokratischen Globalisierung meist patriachaler Färbung sind. Mit anderen Worten, so wie (überwiegend) Männer Frauen behandelt haben und heute noch in weiten Teilen der Welt behandeln, so behandeln sie auch die Erde und das Leben darin und darauf. Dagegen machen die neue Sprache, neue religiöse Bilder und Rituale in dem Buch Lust auf eine andere neue Kultur. Gerade auch für die Männerarbeit finde ich das äußerst inspirierend. Ich entdecke Texte wie „das Seufzen der Schöpfung und unser Seufzen“; „indigene Spiritualität“; „Körperbewusstsein, Erotik und Spiritualität“; „Betrachtungen über den Tod“; „in Frauen wächst das Leben“; „Ritus: das Land, in dem Milch und Honig fließt“; „die Macht der Symbole“; „die Kommunikation alles Lebendigen“; „das Leben des kosmischen Christus“. Mich bringen diese Themen zurück zu den Kernanliegen von Christus. Der Botschaft von Liebe, Frieden und Gerechtigkeit. Zurück zu Gewaltfreiheit und der Verneinung von Herrschaftssystemen. Gemeinschaft, Einheit und Verbindung statt Trennung und Separation. Von Transformation, Verwandlung und Erlösung statt Unterdrückung und Kampf. Von Sinnlichkeit, Erotik und Genuss statt Askese und Körperfeindlichkeit.
Ich seufze, während ich dies schreibe. Ich seufze und merke, das, was der Gott/die Göttin im Sinn hat ist nicht, wie es in dieser Welt läuft (mit Jesu Worten: das Reich Gottes ist nicht von dieser Welt). Ich seufze, weil ich darunter leide und gleichzeitig Hoffnung habe, es anders zu machen und zu leben. Und merke dabei, dass dies auch das Seufzen der Schöpfung ist. „Denn wir wissen, dass die gesamte Schöpfung bis zum heutigen Tage seufzt....“ Rö.8, 22