Mittwoch, 31. Dezember 2014

Ritual: Einwalden

Ritual: Einwalden
Das Einwalden ist ein Ritual, das mit dir geschieht. Du wirst eingewaldet. Es ist ein Ritual für die Schwelle von Sterben und Neuanfang, bzw. Geburt. Also ein Ost-Ritual.
Es geht so: Jemand wird von dem oder der, die das Ritual anleitet, im Wald auf den  Boden gelegt. Wenn es nass ist, empfiehlt sich eine Unterlage zu verwenden, z.B. einen großen aufgeschnittenen Müllsack.
Die Person auf dem Boden wird über und über mit Laub bedeckt. Auch Moos oder ein paar Äste sind gut geeignet. Je mehr Laub, desto besser. Aber wenn die Zeit knapp ist, geht es auch mit weniger.  Dann sollten auf jeden Fall die Hände bedeckt sein, die Brust und um das Gesicht. Die Person soll das Gefühl haben, ganz mit Laub bedeckt, geerdet, eingewaldet zu werden, wie in einer Art Laubgrab.

Dann können einige Wort zu der Person gesprochen werden.
Bei der Nacht des Feuers, einem Initiationswochenende für Jungen, verwenden wir die Worte: „Deine Kindheit geht bald zu Ende. Lass den Wunsch in dir los, ständig umsorgt werden zu wollen. Hör auf, am Rockzipfel deiner Mutter zu hängen. Übernimm Verantwortung für dein Leben.“
Oder als Vorbereitung für ein andere Ost-Ritual (Schwellengang Leben und Tod, kommt später) würden folgende Wort gehen.
„Wenn es Zeit ist, stirbt Blatt und fällt zu Boden. Baum lebt. Mit der Zeit wird Blatt zu Humus. Wenn es Zeit ist, fällt Samen in den Humus.
Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es allein; wenn es aber stirbt, bringt es reiche Furcht. (Joh 12,24)

Alles hat seine Stunde. Für jedes Geschehen unter dem Himmel gibt es eine bestimmte Zeit: eine Zeit zum Gebären und eine Zeit zum Sterben. (Pred. 3,1ff)

Im Kreis - Rad des Lebens, Teil 2

Falls du jetzt erst in diesen Blog reinschaust, schau dir bitte zum Kreis auch Teil 1 vom 30.12.14 an.
Dritter Durchgang – der Kreis des Lebens
Hier sind ein paar Vorbemerkungen nötig, denn nun arbeiten wir mit dem Kreis als Symbol. Wir legen eine weitere Bedeutung auf die natürlichen Abläufe des Kreises. Das hat etwas mit unserer Sichtweise, also Interpretation zu tun. Das Wort Symbol kommt von dem griechischen „symballein“ und bedeutet zusammenwerfen. Ich lege etwas zusammen, verbinde etwas. In diesem Fall den natürlichen Ablauf von Tages- oder Jahreskreis mit dem Ablauf eines Menschenleben. Das hat einerseits mit Interpretation zu tun. Wenn ich zum Beispiel sage, der Osten sei die Zeit der Geburt, dann ist der Osten damit zum Symbol geworden. Es ist nicht so, dass nur im realen Osten oder am Morgen oder im Frühling geboren wird. Kinder kommen auch abends oder im Herbst zur Welt. Dennoch ist der Osten das Symbol für die Geburt.
Das Gegenteil vom griechischen „symballein“ ist das Wort „diaballein“, durcheinanderwerfen. Daher kommt das Wort diabolos, was für die Vorstellung vom Teufel gebraucht wurde. Das Durcheinanderwerfen wäre demnach nicht gut, sondern schadend und krank machend. Das Zusammenwerfen, Verbinden im Gegensatz wäre heilsam und konstruktiv. Deshalb liegt in der Symbolarbeit so viel Kraft. Aber bedenke immer, es handelt sich um eine Interpretation. Es kann auch andere Interpretationen geben. So ist es auch  mit der Interpretation des Kreises als Lebenskreis, Lebensrad oder Medizinrad, wie es auch genannt wird. Ich stelle hier die Interpretation des Lebensrades vor, die ich persönlich am stimmigsten finde. Ich habe das so in der Wilderness Awarenes School (Fußnote zu Coyoyte Guide) und bei Bill Plotkin (Fußnote Natur und Menschenseele) gefunden. Es gibt andere Räder, die ich anschließend vorstelle.

Das Lebensrad
Der Kreis des Lebens beginnt  im Osten mit der Geburt. Wie am Morgen das Licht durch das Dunkel bricht, wie im Frühling das lebendige frische Grün durch den Schnee bricht, so bricht das neugeborene Baby mit dem Schrei seines ersten Atemzuges in diese Welt ein. (Fußnote: Lies dazu den Abschnitt über den Gottesnamen YHWH. In dieser Auslegung wird der Gottesname durch das Atmen erzeugt. Das neugeborene Baby, das seinen ersten Atemzug tut, tut damit den Namen Gottes kund.) Im Osten beginnt das neue Leben, es ist die Zeit der Frische und der Unschuld.
Das Lebensrad wird bestimmt durch die vier Hauptrichtungen: Osten, Süden, Westen und Norden. Nun fügen wir noch vier Zwischenrichtungen hinzu: Südosten, Südwesten, Nordwesten und Nordosten.
Im Südosten ist dann die Zeit der Kindheit. Wie im Übergang vom Frühling zum Sommer ist es eine unbeschwerte Zeit voller Kraft und Ressourcen. Alles ist im Überfluss vorhanden. Es ist eine Zeit des Spielens und Lernens, eine aktive Zeit.
Der Süden ist  eine Zeit des Blühens und Aufstrebens. Alles wächst in die Höhe und streckt sich nach oben, will sich vervielfältigen. Darin steckt viel Energie und Arbeit. Auf den Feldern wird lange und hart gearbeitet und das lange Tageslicht ausgenutzt.
In der menschlichen Entwicklung ist es die Zeit der Jugend, der Pubertät. Es ist eine Zeit des sozialen Aufblühens und sexuellen Erwachens. Im Süden sitzt der Eros.
Der Südwesten ist eine Zeit des Zur Ruhekommens. Bei den Bäumen ist das Höhenwachstum abgeschlossen, es beginnt das Verholzen. Stabilität gewinnen. Das Wachstum geht mehr nach innen. Es ist eine Zeit des Reifens. Und des Ausruhens nach der harten Arbeit im Süden. In der menschlichen Entwicklung die Zeit des frühen Erwachsenenalters, wenn die stürmischen Pubertätsjahre vorbei sind und die ersten Entscheidungen über Ausbildung, Beruf, Partnerschaft getroffen sind.
Der Westen, Herbst, ist die Zeit der Ernte. Die Menschen kommen von den Feldern und bringen ihre Früchte und Garben ein. Sie sammeln und legen Vorräte an. Und feiern das Erreichte. Wer im Herbst nicht Vorräte anlegt, wird den Winter nicht überleben. In der menschlichen Entwicklung ist es die Zeit des Erwachsenenalters. Wenn wir den Westen erreicht haben, haben wir die Hälfte des Kreises abgeschritten. Die Oste-West-Achse teilt den Kreis in eine helle und eine dunkle Hälfte. Wenn wir im Westen angekommen sind, sind wir in der Mitte unseres Lebens. Vielen Menschen wird bewusst, dass mehr Lebenszeit hinter ihnen als vor ihnen liegt. Der Begriff der Midlifecrisis ist hier beheimatet, leider meist negativ besetzt. Denn es ist eine gute und notwendige Krise. Sie lenkt die Aufmerksamkeit auf das, was wichtig ist, was bleiben soll. So, wie im natürlichen Kreislauf gesammelt wird, ist der Herbst in der menschlichen Entwicklung ein Zeit des Sich-Sammelns.. Die Kinder werden flügge und brauchen nicht mehr so viel Aufmerksamkeit oder verlassen schon das Haus. Man merkt selber, dass die Kräfte der Jugend nicht mehr da sind. Die eigenen Eltern werden alt und gebrechlich und sterben.
Vielen macht diese Zeit auch Angst. Manche Männer versuchen, die verlorene Jugend zurück zu holen. Mit Sportwagen oder einer neuen, jungen Frau. In unserer Symbolik gesprochen, versuchen sie, auf dem Kreis zurück zu gehen, aber das funktioniert nicht. Manche gehen in dieser Zeit auf Visionssuche, um herauszufinden, was wichtig ist in ihrem Leben, um weiterzugehen. Der Herbst ist auch eine Zeit der Gemeinschaft, es geht um das größere Ganze.
Der Nordosten markiert den Übergang vom späten Erwachsenen- zum frühen Ältestenalter. Es ist eine Zeit des Loslassens einerseits. So wie die Bäume die Blätter loslassen. Aber auch eine Zeit der Beständigkeit, so wie der Baum selbst den Herbststürmen trotzt und bestehen bleibt.
Weiter geht es in den Norden, die Zeit des Winters. Es wird kalt und frostig, Schnee liegt über dem Land. Alles duckt sich weg und bringt sich in Sicherheit, wenn die Winterstürme kommen. Es scheint lebensfeindlich zu sein und wirklich, es geht ums Überleben.
Im Winter des Lebens werden die Haare weiß, die Zeit der Ältesten. Für viele Männer eine weitere große Krise, wenn sie aus dem Berufsleben ausscheiden (Fußnote: vgl. Männer altern anders). Die Ältesten fahren ihre Aktivität zurück. Bisweilen scheint es , als seien sie gar nicht mehr am Geschehen beteiligt. Aber dann und wann merken sie auf, die Augen blitzen, sie ergreifen das Wort und man merkt, dass sie innerlich noch voll dabei sind. Nur nicht jedes Tagesgeschehen und jedes Drama bekommt noch so viel Aufmerksamkeit wie früher. Idealerweise ist es eine Zeit der Gelassenheit, oder wie Richard Rohr es sagt, der Großvater- und Großmutterenergie. Oma und Opa, die sich um die Enkel kümmern können, weil sie nicht mehr in die täglichen Kämpfe verwickelt sind, sind auch ein gutes Bild für den Norden.
Im Nordosten ist die mystische Zeit des Sterbens und Zeugens. Am Ende des Kreises tritt der Tod in Erscheinung. Wer sein Leben gut gelebt hat, für den ist der Tod keine Überraschung. Und auch nichts Schlechtes, sondern etwas Natürliches. Was nicht heißen soll, dass der Tod eines geliebten Menschen keine Lücke hinterlässt und keine Trauer hervorruft. Aber das gehört zum Leben dazu und das Leben geht weiter. Für die Gemeinschaft mit neuem Leben, das im Nordosten gezeugt wird und darauf wartet, im Osten geboren zu werden.
Wer weiß schon Bescheid, wie genau Auferstehung funktioniert. Wir kommen aus Gott (Textbeleg), wir leben den Kreis unseres Lebens hier auf der Erde und wir gehen zu Gott. Vielleicht ist der Tod nur der Übergang in einen anderen Kreis. Ein anderes Dasein bei Gott.

Dies ist eine Möglichkeit, den Kreis des Lebens zu interpretieren. Es gibt andere Interpretationen. So ist zum Beispiel in der Visionssuchearbeit der school of lost borders (siehe Little/Foster. Die vier Schilde) die Kindheit im Süden angelegt, im Westen die Jugend und im Norden das Erwachsenensein.

Es gibt auch zahlreiche weitere Zuordnungen, z.B. der Elemente, Symboltieren oder Archetypen. Bei alledem ist zu bedenken, dass es kein universal gültiges Kreismodell gibt. Jedes Modell drückt einen Aspekt der Wahrheit aus und es ist gut, sich das zu nehmen, was passt und einen weiter bringt.

Dienstag, 30. Dezember 2014

Im Kreis - Rad des Lebens, Teil 1

Wie immer stelle ich fest, dass ich in der hellen Jahreszeit keine Zeit zum Bloggen habe. Ich bin so viel draussen und unterwegs, dass es nie dran ist mit dem Blog. Aber Herbst und Winter ist die Zeit, die Ernte einzufahren und davon zu leben. So kommen jetzt auch wieder neue Einträge mit Nahrung für die "schöpfungsspirituelle Seele".
Über den Kreis und die verschiedenen Zyklen habe ich mir Gedanken gemacht, hier kommt ein erster Teil.

Im Kreis – Rad des Lebens, Teil 1
Der Kreis – das Sitzen, Reden, Denken im Kreis – ist eine der elementaren Formen in der Natur&Spiritualität Arbeit. Du bist im Kreis an deinem Sitzplatz während der Wildnisausbildung. Du bist im Kreis während deiner Schwellenzeit in der Visionssuche. Du bist im Kreis, wenn du mit anderen im Council sitzt. Irgendwann fängst du an, überall Kreise wahrzunehmen, Jahreskreise, Lebenskreise, usw.
So lehren wir den Kreis in unseren Kursen und Workshops. Du kannst die ersten Durchgänge als praktische Anleitung nehmen und dir einen wirklichen Kreis in der Natur bauen.


Erste Annäherung -  bau dir einen Kreis
Suche dir vier Steine und einen Stock oder einen weiteren Stein. Suche dir einen Platz, möglichst in der Natur. Oder, wie wir sagen, lass dich von einem Platz finden. Einen Platz, an dem du gern einige Zeit verbringen möchtest, an dem du dich wohl fühlst.
Markiere die Mitte deines Kreises mit einem Stock oder einem Stein.
Nun gehe von dieser Mitte einige Schritte in die Richtung, wo Osten ist und lege einen weiteren Stein dort auf den Boden. Nun gehe wieder zur Mitte und gehe die gleiche Anzahl Schritte nach Süden und lege auch dort einen Stein ab. Das Gleiche tust du im Westen und im  Norden. Überprüfe die Lage der Steine, ob sie den gleichen Abstand haben und ob sich deine Anordnung harmonisch anfühlt. Dein Kreis sollte so groß sein, dass du gut darin liegen kannst.
Wenn du willst, kannst du weitere Steine oder Zweige oder andere Naturmaterialien so zwischen die vier Steine legen, so dass die Kreisform deutlicher wird. Bitte nimm kein lebendes Material dafür.

Betritt deinen Kreis. Halte einen Moment inne, bevor du den Kreis betrittst. Dieser Kreis wird zu einem Symbol werden. Es ist dein Platz. Dein konkreter Platz in der Natur.
In der Wildnisausbildung wird es der Ort sein, an dem du einheimisch wirst. Du wirst diesen Platz viele Stunden, zu unterschiedlichen Tages- und Nachtzeiten besuchen, Sommers wie Winters. Du wirst diesen Platz kennenlernen und alle, die dort auch leben werden dir vertraut. Und du wirst ihnen vertraut. Es kann sein, dass Vögel oder andere Tiere lernen, dir an deinem Platz zu vertrauen, dass sie dir so nahe kommen, dass du sie berühren kannst. Das ist nicht mehr irgendein beliebiger Ort, es ist dein Platz.
In der Visionssuche wirst du einige Tage und Nächte am Stück an deinem Platz sein. Auch dieser Platz wird dir vertraut werden.
Plätze, die so aufgeladen werden, werden zum Symbol für deinen Platz in der Welt, für deinen Platz im Leben. Was an deinem Platz geschieht, wird Bedeutung für dich haben. Was du hier erfährst und lernst, wirst du in dein Leben mitnehmen. Deshalb ist es gut, den Kreis und seine Richtungen zu verstehen.


Erster Durchgang – der Tageskreis
Beginnen wir bei Sonnenaufgang. In welcher Richtung geht die Sonne auf? Ja, im Osten. Immer genau im Osten? Nein, nur zur Tag-Nacht-Gleiche am 21 März und am 21. September. Im Sommerhalbjahr geht sie weiter im  Nordosten auf, im Winterhalbjahr weiter im Südosten.
Aber immer steht der Osten für den Tagesanfang. Für das neue Licht, das die Dunkelheit der Nacht beendet. Osten steht für die Frische des Morgens. Es ist die Zeit, in der die Vögel anfangen, ihr Lied zu singen. Ein befreundeter Jäger sagte mir einmal, die Stunde zwischen Tag und Nacht sei die Stunde des Wildes.
Dann wandert die Sonne weiter. Wohin? Klar, in den Süden. Mittags um 12.00 Uhr hat sie ihren höchsten Stand am Himmel. Und ist am südlichsten Punkt des Kreises angekommen. Mittags ist die Zeit der Hitze. An vielen Orten auch die Zeit der Ruhe. Die Wüstenväter sprachen von Akedia, dem Mittagsdämon, der langsam herankriecht, alles lähmt und schläfrig und antriebslos macht. Siestazeit in Gegenden mit großer Hitze.
Dann wandert die Sonne weiter, du weißt es schon, in Richtung Westen. Es wird Abend. Westen ist die Zeit der Dämmerung. Zeit, die Arbeit des Tages zu beenden und wieder zusammen zu kommen.
Wir wandern weiter im Tageskreis. Nun nicht mehr mit den Sonne, denn die ist untergegangen. Wir kommen in den Norden. Nacht, Mitternacht. Zeit der Dunkelheit und der Sterne. Zeit der Tiere der Nacht.
Bis im Osten ein neuer Tag anbricht und der Kreis sich schließt.


Zweiter Durchgang – der Jahreskreis
Die Sonne bestimmt auch diesen zweiten Durchgang der Jahreszeiten. Die vier Jahreszeiten ergeben sich aus dem Lauf der Erde um die Sonne in einem Jahr.
Beginnen wir wieder im Osten. Welche Jahreszeit würdest du mit dem Osten verbinden? Vermutlich den Frühling. In vielen Kulturen überall auf der Welt wird das so gesehen. Osten ist die Zeit des Erwachens. Der Schnee schmilzt, die ersten Pflanzen treiben Blätter, es wird wieder grün. Die Gefiederten kehren aus den Winterquartieren zurück, Winterschläfer erwachen. Es wird gebrütet und es ist eine Zeit des Gebärens.
Bei uns heutzutage beginnt der kalendarische Frühling am 21. März zur Tag-Nach-Gleiche. Bei den Kelten war das anders. Dort war die Tag-Nacht-Gleiche die Mitte des Frühlings. Entsprechend Midsommernacht am 21. Juni die Mitte des Sommers. Die Tag-Nacht-Gleiche am 21. September die Mitte des Herbstes und Wintersonnenwende am 21. Dezember die Mitte des Winters.
Für den Osten hieße das, dass der Frühling Anfang Februar beginnen würde und bis Ende April gehen würde. Seit ich den keltischen Kalender kennen gelernt habe, merke ich, dass das viel mehr meinem Empfinden der Jahreszeiten entspricht. Aber egal, wie du es siehst, der Osten ist meist die Zeit des Frühlings. Zeit des Anfanges und Neubeginns wie auch im Tageskreis.
Dann geht es weiter in den Süden und es kommt der Sommer. Zeit des Blühens und Aufwachsens. Die Pflanzen schießen in die Höhe. Es ist viel Nahrung da für alle. Eine gute Zeit, die Jungen aufzuziehen. Eine üppige, unbeschwerte Zeit. Für viele Zeit des Sommerurlaubs. Und des Feierns, denke an laue Sommernächte und –partys. Nur das Wasser kann knapp werden und die Gefahr von Bränden ist größer.
Weiter im Jahreskreis kommt der Herbst. Zeit der Ernte auf den Feldern. Zeit des Sammelns und Vorräte anlegen bei Mensch und Tier. Die Pflanzen wachsen nicht mehr in die Höhe, mehr in die Dicke, das Verholzen beginnt. Wer in dieser Zeit nicht fleißig ist, wird unter Umständen den Winter nicht überleben. Herbst ist eine Zeit der Erntearbeit. Aber auch der Freude über die gelungene Arbeit und den Ertrag. Erntedank, Zeit der Feste -  und für einige auch eine Zeit, sich zu paaren. Später im Herbst fallen die Blätter, die Herbststürme kommen. Auch eine Zeit des Absterbens und Loslassens.
Wir gehen weiter im Kreis nach Norden und es wird es Winter. Es ist die kalte, nasse und und dunkle Jahreszeit. Es wird karg, wir leben von dem, was wir vorher gesammelt und geerntet haben. Alles reduziert sich, übrig bleibt nur das Wesentliche. Der Winter ist eine Zeit der Klarheit und Ordnung. Wie frostig klare Nächte. Auch eine Zeit des Sterbens. Wie ein Leichentuch liegt die weiße Schneedecke über dem Land und bedeckt alles.
Es ist eine Zeit, in die Höhle zu gehen und sich zu ducken. Eng zusammen rücken und sich gegenseitig Wärme geben. Wie die Bienen, die in einem ausgeklügelten System immer wieder die Plätze tauschen, so das jede mal nach innen kommt und wieder warm wird.  Es ist auch eine Zeit der Gemeinschaft, des Geschichtenerzählens.
Wenn wir denken, der Winter wird ewig dauern und nie wieder wird es warm werden, beginnt unter der Schneedecke das neue Leben sich zu regen. Bevor die Schneeglöckchen wie ein Wunder zu blühen beginnen, entwickeln sie sich unter der warmen Schneedecke, die sie vor dem kalten Frost schützt.

Der Kreis schließt sich, es wird wieder Frühling. Es wird immer wieder Frühling geben. Das ist die Verheißung an Noah. Dass Saat und Ernte nicht aufhören werden, dass dieser Kreislauf bestehen bleiben wird. Für uns Christen ist der Regenbogen das Zeichen dafür.