Dienstag, 30. Dezember 2014

Im Kreis - Rad des Lebens, Teil 1

Wie immer stelle ich fest, dass ich in der hellen Jahreszeit keine Zeit zum Bloggen habe. Ich bin so viel draussen und unterwegs, dass es nie dran ist mit dem Blog. Aber Herbst und Winter ist die Zeit, die Ernte einzufahren und davon zu leben. So kommen jetzt auch wieder neue Einträge mit Nahrung für die "schöpfungsspirituelle Seele".
Über den Kreis und die verschiedenen Zyklen habe ich mir Gedanken gemacht, hier kommt ein erster Teil.

Im Kreis – Rad des Lebens, Teil 1
Der Kreis – das Sitzen, Reden, Denken im Kreis – ist eine der elementaren Formen in der Natur&Spiritualität Arbeit. Du bist im Kreis an deinem Sitzplatz während der Wildnisausbildung. Du bist im Kreis während deiner Schwellenzeit in der Visionssuche. Du bist im Kreis, wenn du mit anderen im Council sitzt. Irgendwann fängst du an, überall Kreise wahrzunehmen, Jahreskreise, Lebenskreise, usw.
So lehren wir den Kreis in unseren Kursen und Workshops. Du kannst die ersten Durchgänge als praktische Anleitung nehmen und dir einen wirklichen Kreis in der Natur bauen.


Erste Annäherung -  bau dir einen Kreis
Suche dir vier Steine und einen Stock oder einen weiteren Stein. Suche dir einen Platz, möglichst in der Natur. Oder, wie wir sagen, lass dich von einem Platz finden. Einen Platz, an dem du gern einige Zeit verbringen möchtest, an dem du dich wohl fühlst.
Markiere die Mitte deines Kreises mit einem Stock oder einem Stein.
Nun gehe von dieser Mitte einige Schritte in die Richtung, wo Osten ist und lege einen weiteren Stein dort auf den Boden. Nun gehe wieder zur Mitte und gehe die gleiche Anzahl Schritte nach Süden und lege auch dort einen Stein ab. Das Gleiche tust du im Westen und im  Norden. Überprüfe die Lage der Steine, ob sie den gleichen Abstand haben und ob sich deine Anordnung harmonisch anfühlt. Dein Kreis sollte so groß sein, dass du gut darin liegen kannst.
Wenn du willst, kannst du weitere Steine oder Zweige oder andere Naturmaterialien so zwischen die vier Steine legen, so dass die Kreisform deutlicher wird. Bitte nimm kein lebendes Material dafür.

Betritt deinen Kreis. Halte einen Moment inne, bevor du den Kreis betrittst. Dieser Kreis wird zu einem Symbol werden. Es ist dein Platz. Dein konkreter Platz in der Natur.
In der Wildnisausbildung wird es der Ort sein, an dem du einheimisch wirst. Du wirst diesen Platz viele Stunden, zu unterschiedlichen Tages- und Nachtzeiten besuchen, Sommers wie Winters. Du wirst diesen Platz kennenlernen und alle, die dort auch leben werden dir vertraut. Und du wirst ihnen vertraut. Es kann sein, dass Vögel oder andere Tiere lernen, dir an deinem Platz zu vertrauen, dass sie dir so nahe kommen, dass du sie berühren kannst. Das ist nicht mehr irgendein beliebiger Ort, es ist dein Platz.
In der Visionssuche wirst du einige Tage und Nächte am Stück an deinem Platz sein. Auch dieser Platz wird dir vertraut werden.
Plätze, die so aufgeladen werden, werden zum Symbol für deinen Platz in der Welt, für deinen Platz im Leben. Was an deinem Platz geschieht, wird Bedeutung für dich haben. Was du hier erfährst und lernst, wirst du in dein Leben mitnehmen. Deshalb ist es gut, den Kreis und seine Richtungen zu verstehen.


Erster Durchgang – der Tageskreis
Beginnen wir bei Sonnenaufgang. In welcher Richtung geht die Sonne auf? Ja, im Osten. Immer genau im Osten? Nein, nur zur Tag-Nacht-Gleiche am 21 März und am 21. September. Im Sommerhalbjahr geht sie weiter im  Nordosten auf, im Winterhalbjahr weiter im Südosten.
Aber immer steht der Osten für den Tagesanfang. Für das neue Licht, das die Dunkelheit der Nacht beendet. Osten steht für die Frische des Morgens. Es ist die Zeit, in der die Vögel anfangen, ihr Lied zu singen. Ein befreundeter Jäger sagte mir einmal, die Stunde zwischen Tag und Nacht sei die Stunde des Wildes.
Dann wandert die Sonne weiter. Wohin? Klar, in den Süden. Mittags um 12.00 Uhr hat sie ihren höchsten Stand am Himmel. Und ist am südlichsten Punkt des Kreises angekommen. Mittags ist die Zeit der Hitze. An vielen Orten auch die Zeit der Ruhe. Die Wüstenväter sprachen von Akedia, dem Mittagsdämon, der langsam herankriecht, alles lähmt und schläfrig und antriebslos macht. Siestazeit in Gegenden mit großer Hitze.
Dann wandert die Sonne weiter, du weißt es schon, in Richtung Westen. Es wird Abend. Westen ist die Zeit der Dämmerung. Zeit, die Arbeit des Tages zu beenden und wieder zusammen zu kommen.
Wir wandern weiter im Tageskreis. Nun nicht mehr mit den Sonne, denn die ist untergegangen. Wir kommen in den Norden. Nacht, Mitternacht. Zeit der Dunkelheit und der Sterne. Zeit der Tiere der Nacht.
Bis im Osten ein neuer Tag anbricht und der Kreis sich schließt.


Zweiter Durchgang – der Jahreskreis
Die Sonne bestimmt auch diesen zweiten Durchgang der Jahreszeiten. Die vier Jahreszeiten ergeben sich aus dem Lauf der Erde um die Sonne in einem Jahr.
Beginnen wir wieder im Osten. Welche Jahreszeit würdest du mit dem Osten verbinden? Vermutlich den Frühling. In vielen Kulturen überall auf der Welt wird das so gesehen. Osten ist die Zeit des Erwachens. Der Schnee schmilzt, die ersten Pflanzen treiben Blätter, es wird wieder grün. Die Gefiederten kehren aus den Winterquartieren zurück, Winterschläfer erwachen. Es wird gebrütet und es ist eine Zeit des Gebärens.
Bei uns heutzutage beginnt der kalendarische Frühling am 21. März zur Tag-Nach-Gleiche. Bei den Kelten war das anders. Dort war die Tag-Nacht-Gleiche die Mitte des Frühlings. Entsprechend Midsommernacht am 21. Juni die Mitte des Sommers. Die Tag-Nacht-Gleiche am 21. September die Mitte des Herbstes und Wintersonnenwende am 21. Dezember die Mitte des Winters.
Für den Osten hieße das, dass der Frühling Anfang Februar beginnen würde und bis Ende April gehen würde. Seit ich den keltischen Kalender kennen gelernt habe, merke ich, dass das viel mehr meinem Empfinden der Jahreszeiten entspricht. Aber egal, wie du es siehst, der Osten ist meist die Zeit des Frühlings. Zeit des Anfanges und Neubeginns wie auch im Tageskreis.
Dann geht es weiter in den Süden und es kommt der Sommer. Zeit des Blühens und Aufwachsens. Die Pflanzen schießen in die Höhe. Es ist viel Nahrung da für alle. Eine gute Zeit, die Jungen aufzuziehen. Eine üppige, unbeschwerte Zeit. Für viele Zeit des Sommerurlaubs. Und des Feierns, denke an laue Sommernächte und –partys. Nur das Wasser kann knapp werden und die Gefahr von Bränden ist größer.
Weiter im Jahreskreis kommt der Herbst. Zeit der Ernte auf den Feldern. Zeit des Sammelns und Vorräte anlegen bei Mensch und Tier. Die Pflanzen wachsen nicht mehr in die Höhe, mehr in die Dicke, das Verholzen beginnt. Wer in dieser Zeit nicht fleißig ist, wird unter Umständen den Winter nicht überleben. Herbst ist eine Zeit der Erntearbeit. Aber auch der Freude über die gelungene Arbeit und den Ertrag. Erntedank, Zeit der Feste -  und für einige auch eine Zeit, sich zu paaren. Später im Herbst fallen die Blätter, die Herbststürme kommen. Auch eine Zeit des Absterbens und Loslassens.
Wir gehen weiter im Kreis nach Norden und es wird es Winter. Es ist die kalte, nasse und und dunkle Jahreszeit. Es wird karg, wir leben von dem, was wir vorher gesammelt und geerntet haben. Alles reduziert sich, übrig bleibt nur das Wesentliche. Der Winter ist eine Zeit der Klarheit und Ordnung. Wie frostig klare Nächte. Auch eine Zeit des Sterbens. Wie ein Leichentuch liegt die weiße Schneedecke über dem Land und bedeckt alles.
Es ist eine Zeit, in die Höhle zu gehen und sich zu ducken. Eng zusammen rücken und sich gegenseitig Wärme geben. Wie die Bienen, die in einem ausgeklügelten System immer wieder die Plätze tauschen, so das jede mal nach innen kommt und wieder warm wird.  Es ist auch eine Zeit der Gemeinschaft, des Geschichtenerzählens.
Wenn wir denken, der Winter wird ewig dauern und nie wieder wird es warm werden, beginnt unter der Schneedecke das neue Leben sich zu regen. Bevor die Schneeglöckchen wie ein Wunder zu blühen beginnen, entwickeln sie sich unter der warmen Schneedecke, die sie vor dem kalten Frost schützt.

Der Kreis schließt sich, es wird wieder Frühling. Es wird immer wieder Frühling geben. Das ist die Verheißung an Noah. Dass Saat und Ernte nicht aufhören werden, dass dieser Kreislauf bestehen bleiben wird. Für uns Christen ist der Regenbogen das Zeichen dafür.