Dienstag, 6. Januar 2015

Im Kreis – Rad des Lebens, Teil 3


Falls du jetzt erst in diesen Blog reinschaust, schau dir bitte zum Kreis auch Teil 1 und Teil 2 an.

Vierter Durchgang - Qualitäten im Kreislauf
Wir können noch ein weiteres Mal durch den Kreis gehen und uns fragen, für welche Qualitäten und Eigenschaften die verschiedenen Richtungen stehen. Ich orientiere mich hier eng an dem, was Jon Young in der wilderness awerness scholl lehrt (siehe Coyote Guide). In der Wildnisschule von Wolfgang Peham (www.Wildniswissen.de) wo ich meine Ausbildung als Wildnispädagoge  gemacht habe, heißt es „Wie Energie durch Systeme fließt“. Denn alles, was sich entwickelt, entwickelt sich in Zyklen. Sogar in der Betriebswirtschaftslehre gibt es  Produktlebenszyklen und so ist es auch in anderen Systemen. Diese Lehre lässt sich sowohl auf Projekte als auch für Seminare und Workshops anwenden. Ich kann im Rahmen dieses Buches nur einen kurzen Überblick darüber geben. Ich empfehle sehr, zur Vertiefung den Coyote Guide. Damit es nicht ganz so theoretisch bleibt, gebe ich exemplarisch wieder, wie sich
Bei den Eigenschaften, die wir den Richtungen zuordnen können, beginnen wir, wen wundert es, im Osten.
Der Osten steht für Anfang und Inspiration. Der Funke entsteht und springt über. Wie aus dem Nichts entsteht eine neue Idee. Begeisterung entsteht
Im Südosten geht es darum, in Bewegung zu kommen. Die Begeisterung führt zu Aktion. Es geht darum, aus dem Funken ein Feuer zu entfachen und in Gang zu bringen.
Der Süden steht für Konzentration. Es geht um harte Arbeit, sich reinhängen in die Aktivität und lichterloh dafür zu brennen.
Der Südwesten steht für eine Pause. Nach all dem in Gang kommen und in Bewegung sein braucht es Zeit zum Verschnaufen und Ausruhen. Gilbert Walking Bull sagt zu dieser Zeit: „Halte dich bedeckt und hüte dein eigenes Feuer“ (siehe Coyote Guide).
Im Westen kommen alle wieder zusammen, um die Ernte einzubringen. Es geht ums Sammeln und Teilen. Der Ertrag, die Früchte der Arbeit werden betrachtet und gewürdigt. Es wird gefeiert.
Im Nordosten wird das Vollbrachte reflektiert, nachgedacht und in eine Ordnung gebracht.
Im  Norden geht es, wie im Überlebenskampf des Winters, darum zu entscheiden, was wirklich notwendig und wichtig ist. Herausfinden, was bleibt und was zählt. Das gilt es zu integrieren und so steht der Norden für Integration.
Im Nordosten geht es um das Enden. Und um das Lauschen auf das Neue, auf das, was kommen will.

So wären die Qualitäten eines natürlichen Kreislaufes. Ich habe oft beobachtet, in Managementsituationen und auch in sozialen Gruppen, wie seltsam es sich anfühlt, wenn die natürlichen Abläufe nicht beachtet werden. Wenn z.B. immer wieder Neues angefangen wird, ohne das Alte anzuschauen und zu beenden. Und wie somit das Würdigen und Anerkennen verloren geht.
Ich denke inzwischen, dass wir als westliche Kultur fast kollektiv verlernt haben, uns mit bestimmten Eigenschaften des Kreises zu befassen. Hauptsächlich verdrängen wir die Eigenschaften zwischen Westen und Nordosten. Unsere Alten und Kranken und Sterbenden schieben wir in Altersheime und Kliniken, so dass wir nicht ansehen müssen, dass das Leben endlich ist.
Richard Rohr hat viel zu dem Thema „zweite Lebenshälfte“ gearbeitet. Gerade Männern scheint es schwer zu fallen, diese Aufgabe anzunehmen. Und es ist eine spirituelle Aufgabe, sich dem zu stellen.
Aber ebenso, wie es viele Beispiele gibt, wo wir die Ordnung des natürlichen Kreislaufes verlassen haben, gibt es noch Überreste, wo sich das alte Denken in christlichen Bezügen wiederfindet.
Beispielsweise ist in allen unseren Kirchgebäuden der Altar nach Osten ausgerichtet, weil die Auferstehungskraft des Christus mit dem aufgehenden Sonnenlicht assoziiert wird.
Auch nach der biblischen Überlieferung befindet sich der Garten Eden als Ursprungsort der Menschheit im Osten.
Auch manche Feste und Tage des Kirchenjahres haben den alten Kreislaufgedanken mit aufgenommen. So wurde die Zeit der Geburt Jeus entgegen den historischen Belegen auf die Wintersonnenwende gelegt. (FN: Auch wenn die Geburt hier nicht im Osten stattfindet, wie wir es erwarten würden, zeigt es doch, dass auch christliche Feste mit Jahreskreisereignissen wie Wintersonnenwende verbunden worden sind.)
Und Ostern auf den Frühlingsanfang. Ostern wird bestimmt durch der Kreis der Erde um die Sonne. Am ersten Sonntag nach dem ersten Vollmond nach dem 21. März (Tag-Nacht-Gleiche im Frühling) ist Ostern. Wir kennen das Erntedankfest im Herbst. Und Allerheiligen, bzw. Totensonntag im November (Nord-West).


All dies ist kein geschlossenes System, in dem sich alles einordnen lässt. Es handelt sich nicht um eine Art Periodensystem, sondern um etwas Fließendes. Es geht weniger darum, eine Dogmatik des Kreises zu entwickeln, sondern darum, ein Gespür für Kreisläufe zu entwickeln. Sich selbst in Kreisläufen zu erleben und zu lernen, auf die eigene Energie zu achten und mit ihr zu gehen. Deshalb möchte ich jede ermutigen, sich von dem Gesagten das zu nehmen, was passt, was gut tut und damit Schritte zu gehen und alles andere beiseite zu lassen.