Montag, 28. Dezember 2015

Schöpfungsgeschichten: Licht

Die ersten Kapitel der Bibel, wo die jüdisch-christlichen Schöpfungsgeschichten vorkommen, sind so spannend, dass ich sie immer und immer wieder lesen kann. Und jedes Mal fällt mir Neues darin auf. Zum Beispiel über das Licht.
So heißt es in Genesis 1,3, dass Gott das Licht machte und von der Finsternis trennte. „Erster Tag.“
Es steht hier erster Tag, aber interessant ist, dass in der Schöpfungsgeschichte Sonne, Mond und Sterne erst am vierten Tag geschaffen werden. (Verse 14-20). Wir wissen heute, der 24-Stunden Tag ergibt sich aus der Drehung der Erde um sich selbst, so dass jede Hälfte mal der Sonne zu- und mal abgewandt ist. Wenn das in der biblischen Geschichte erst am vierten „Tag“ geschehen kann, weil erst da die Sonne geschaffen wurde, kann mit dem Begriff „Tag“ vorher kein 24-Stunden Tag gemeint sein. Dazu kommt, dass an anderen Stellen in der Bibel deutlich wird, dass Zeit für Gott eine andere Dimension hat als für uns Menschen. Ps. 90,4 „Denn tausend Jahre sind für dich wie der Tag, der gestern vergangen ist.“  Nebenbei: Kreationisten, also Menschen, die diese Schöpfungsgeschichte wörtlich nehmen und sie so verstehen, als sei es als wissenschaftlicher Tatsachenbericht geschrieben, denken, dass die Schöpfung in sieben Tagen geschaffen wurde. Also in sieben mal 24 Stunden. Meiner Meinung nach widerspricht schon die biblische Erzählung selbst dieser Auffassung. Ich denke, Tag bedeutet hier eher so etwas wie Abschnitt. Womit insgesamt deutlich würde, dass die biblische Geschichte erzählt, dass die Schöpfung erstens von Gott gemacht wurde und zweitens in geordneten, prozesshaften Abschnitten. Aber davon später mehr, zurück zum Licht.
Ich frage mich, wenn also Sonne, Mond und Sterne erst am vierten Tag geschaffen wurden, was ist dann das Licht von Tag eins?
Sofort fällt mir ein, dass an vielen Stellen der Bibel Licht mit Gott in Verbindung gebracht wird.
Ps. 36, 10: „...in deinem Licht schauen wir das Licht.“
Ps. 104, 2: „Du hüllst dich in Licht...“
Im Neuen Testament wird das Licht mit Christus in Verbindung gebracht.
Joh. 1, 9: „Das wahre Licht, das jeden Menschen erleuchtet, kam in die Welt.“
In Joh. 8,12 sagt Jesus über sich selbst: „Ich bin das Licht der Welt.“
Auch bei der Verklärung Jesu (Lk.9, 29ff), der Bekehrung des Paulus (9,3ff) oder anderen Gelegenheiten (s. Petrus Apg. 12,7 ein Engel des Herrn trat in den Raum und helles Licht erstrahlte) scheint helles, strahlendes Licht. Dieses Licht, von dem die Rede ist, hat scheinbar mit der Welt der Engel und des Geistes zu tun.
Vielleicht ist Licht das Wesen der für uns unsichtbaren Welt. In Kol. 1,16 heißt es, „..in ihm wurde alles erschaffen,..., das Sichtbare und das Unsichtbare...“.  „Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde.“ Also Materie, die materielle, sichtbare Welt. Gleich danach das Licht, ein Hinweis auf die unsichtbare Welt.
Wenn ich vor diesem Hintergrund Berichte von Nahtoderfahrungen lese und dass dort helles, gleißendes Licht gewesen sei, oder von Schamanenreisen ins Licht höre, dann tue ich das nicht mehr so leicht ab wie früher. Ich bin mir bewusst geworden, dass es dieses Licht gibt, das nicht von Sonne, Mond oder Sternen herrührt.  Das macht mich nachdenklich. Noch mehr zu denken aber gibt mir, dass die biblische Überlieferung davon ausgeht, dass wir Christen dieses Licht in uns haben und es durch uns scheinen soll.
Math.5,15: „Ihr seid das Licht der Welt,...“
Eph. 5, 8: „.... jetzt seid ihr durch den Herrn Licht geworden. Lebt als Kinder des Lichts!“


Es werde Licht.... in mir.... in dir..... in dieser Welt!!!!