Samstag, 26. November 2016

Die Seele ist wie ein wildes Tier

Die Seele ist wie ein wildes Tier und sie verhält sich auch so.
Zum einen heißt das, dass die Seele, genau wie die Wildtiere sehr gut überlebensfähig ist. Sie ist zäh und wild, sie kennt ihren Lebensraum, sie kann sich Nahrung verschaffen und Verstecke finden und kann sich fortpflanzen. Sie hat diesen Willen zu überleben.

Die Seele ist – wie die wilden Tiere – immer da. Aber sie ist scheu und nicht immer zu sehen. Der Stadtmensch fährt auf der Autobahn und denkt:  „Oh, ein Reh“ und dann wird ihm bewusst, dass da was anderes ist als seine menschenzentrierte, letztlich egozentrische Weltsicht. Aber eigentlich ist es immer da.

Die Seele, wie das wilde Tier hat seine eigene Zeit und seinen eigenen Rhythmus. Wenn du draußen bist und wilde Tiere beobachtest, dann sitzt du lange da. Du denkst, es ist nicht los heute, kein Tier da, ich kann auch nach Hause gehen. Aber plötzlich, popp, kommt mitten auf dem Feld ein paar Ohren mit einem Kopf hoch. Du denkst, huch, wo kommt das denn plötzlich her? Aber es war die ganze Zeit da, nur in Deckung, du hast es nicht gesehen. So ist es mit der Seele auch. Wenn du die Landschaft deiner Seele beobachtest, in Zeiten der Stille, Meditation oder Gebet, dann kann es passieren, dass du am Anfang gar nichts wahr nimmst. Und wenn du schon aufhören willst, popp, zeigt sich eine Regung deiner Seele und du denkst – huch, wo kommt die denn her, aber sie war die ganze Zeit schon da.
„Die Zeit zwischen Tag und Nacht ist die Zeit des Wildes“, habe ich von einem alten Jäger gelernt. Es gibt Zeiten, wo es wahrscheinlicher ist zu anderen Zeiten, dass du Wild siehst.  So ist es auch mit der Seele. In Zeiten des Wandels, der Krise, in Übergängen und dann in Momenten der Stille, der Kontemplation und wenn das Tagwerk zur Ruhe kommt, dann sind die Chancen, etwas von seiner Seele mitzubekommen, größer. Interessanterweise lehren viele Weisheitstraditionen, dass die Zeit früh morgens oder abends die beste Zeit für kontemplatives Gebet sei. Das sind auch die Zeiten des Jägers.
Du brauchst Geduld, wenn du die Pfade deiner Seele erkunden willst. Und so, wie manche wilden Tiere, fast nur nachts zu finden sind – Eule, Wildschwein, Enok,...- so sind manche Seelenregungen nachtaktiv, manche tauchen auch nur in Träumen auf.
Es gilt, wie beim Fährtenlesen, die Zeichen zu erkennen und die richtigen Schlüsse daraus zu ziehen.

Wenn du so eintauchst, dann kannst du vertraut werden. Einheimisch werden ist das Motto der Wildnisschule, in der ich gelernt habe.  So, wie du die Sprache des Waldes lernen kannst, kannst du die Sprache der Seele lernen. Von wilden Tieren oder über wilde Tiere lernen, heißt für Seelenarbeit lernen. Schöpfungsspiritualität verbindet Natur und Seelenarbeit.